Monitoringbericht 2025 veröffentlicht
Aufgrund seines gesetzlichen Auftrags erstellt der VMR einen jährlichen Bericht über die Menschenrechtslage in Liechtenstein. Der Bericht ist nicht abschliessend, sondern ein wiederkehrenes Dokument zur Auseinandersetzung, zur Verbesserung und zum Engagement für die Menschernechte in Liechtenstein.
Meilensteine im Berichtsjahr
Das Jahr 2025 brachte für Liechtenstein wichtige Neuerungen. Auf den 1. Januar 2025 trat die Ehe für alle in Kraft und schafft damit rechtliche Gleichstellung für homosexuelle Paare in Adoptions-, Steuer- und Erbschaftsfragen. Ebenfalls per 1. Januar wurde eine bezahlte Elternzeit eingeführt, die ab 2026 jedem Elternteil vier Monate Anspruch gewährt, zwei davon mit 80% Lohnersatz. Liechtenstein unterzeichnete zudem am 27. Februar 2025 die KI-Rahmenkonvention des Europarats, den weltweit ersten völkerrechtlich verbindlichen Vertrag zu Künstlicher Intelligenz, Menschenrechten und Demokratie. Schliesslich trat das neue Medienförderungsgesetz in Kraft, das Medienvielfalt und Qualitätsjournalismus stärken soll.
58 Empfehlungen
Gleichzeitig richtet der VMR 58 Empfehlungen an den Staat. Sie decken ein breites Themenspektrum ab: vom dringend notwendigen Antidiskriminierungsgesetz über den Schutz von Asylsuchenden und den Ausbau der Kinderrechte bis hin zur Gleichstellungsstrategie, den Rechten von Menschen mit Behinderungen und dem Schutz von LGBTIQA+-Personen. Im Bereich Menschenhandel fordert der VMR einen Aktionsplan sowie bessere Schulung von Polizei, Justiz und Behörden. Bei der Haft verlangt er u.a. eine medizinische Abklärung innert 24 Stunden nach Inhaftierung und eine separate Unterbringung für Personen in Ausschaffungshaft. Im Gleichstellungsbereich mahnt der VMR zur Entkriminalisierung des Schwangerschaftsabbruchs und zu einer nationalen Gewaltschutzstrategie gemäss Istanbul-Konvention.
Menschenrechte als tägliche Aufgabe
VMR-Präsident Wilfried Marxer hält im Editorial fest: Menschenrechte sind kein selbstverständlicher Besitzstand, sondern täglich neu umkämpftes Terrain. Auch in Liechtenstein forderten internationale Gremien – vom Europarat bis zu UN-Ausschüssen – immer wieder Verbesserungen. Das ist kein Makel, sondern das Funktionieren eines Systems, das Rechenschaft einfordert. Liechtenstein soll diese Prüfungen ernst nehmen. Er zitiert dabei Volker Türk, dem UN-Hochkommissar für Menschenrechte:
"Die Menschenrechte sind das wirksamste Instrument, das wir haben, um denen eine Stimme zu geben, die keine Macht haben, um den Mächtigen die Wahrheit zu sagen und um sicherzustellen, dass sie verstehen: Ja, Macht hat ihre Grenzen."
Den gesamten Bericht als digitale Version und als PDF zum herunterladen:
