Bekämpfung der Armut
Armut hindert Menschen an der Wahrnehmung ihrer Rechte. Die Sicherung materieller Ressourcen und die Einhaltung strikter Vorgaben von Behörden schränken die Lebensgestaltung und Entscheidungsfreiheit von Betroffenen drastisch ein. Menschen in Armut erleben sich daher oft als machtlos.
Im Internationalen Pakt über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte (UNO-Pakt I) verpflichten sich die Staaten, allen Menschen auf ihrem Territorium ein menschenwürdiges Existenzminimum, einen angemessenen Lebensstandard und Möglichkeiten zur stetigen Verbesserung ihrer Lebensbedingungen zu gewähren.
Die Beseitigung von Armut bis 2030 ist ausserdem das erste der 17 UNO-Nachhaltigkeitsziele. Gemäss UNO-Pakt I (Art. 9 – Recht auf soziale Sicherheit; Art. 11 – Recht auf angemessenen Lebensstandard, einschliesslich des Rechts auf angemessenen Wohnraum) besteht die staatliche Pflicht, sicherzustellen, dass niemand unterhalb des Existenzminimums leben muss.
Der Bericht «Armutsgefährdung und Armut 2020» des Amts für Statistik von 2023 zeigt, dass rund 14 Prozent der Bevölkerung als armutsgefährdet galten – darunter besonders Einpersonenhaushalte und Alleinerziehende. 2024 führte das Amt für Soziale Dienste (ASD) deshalb das Projekt «Gemeinsam gegen Armut» durch. Im Schlussbericht des Projekts wurden drei Massnahmen identifiziert, von denen jedoch bisher keine einzige umgesetzt wurde. So sollte zum Beispiel im Berichtsjahr der Runde Tisch Armut weiterentwickelt und neu positioniert werden. Auch eine geplante Präventionskampagne ist ausstehend. Allerdings stellte das ASD bei einer Informationsveranstaltung im Oktober in Aussicht, die Massnahmen ab 2026 umzusetzen.
Streetwork Liechtenstein befasste sich im Berichtsjahr mit Sozialen Notlagen in Liechtenstein und damit auch mit dem Thema Obdachlosigkeit sowie prekären Wohnverhältnissen. Denn auch wenn man in Liechtenstein Obdachlosigkeit kaum wahrnimmt, ist sie vorhanden. Betroffene müssen Schutz in Notschlafstellen im Ausland suchen. In Liechtenstein selbst gibt es keine.
Die Ursachen, Gefährdungsfaktoren und Folgen von Armut vertieft untersuchen, um einen nationalen Aktionsplan dagegen ausarbeiten zu können. Die Ressourcen zur Verfügung stellen, um diesen umzusetzen.
