Geschlechtergleichstellung
Gleiche Rechte für Frauen und Männer und für queere Personen sowie der Schutz vor häuslicher und geschlechtsspezifischer Gewalt Das sind die Verpflichtungen des Staates zur Gleichstellung der Geschlechter. Diskriminierung und Gewalt behindern die Gleichstellung. Gerade bei diesen systemischen Fragen braucht es noch viel Präventionsarbeit und langfristige Strategien.
Häusliche Gewalt in Familien oder in Partnerschaften gibt es auch in Liechtenstein: 2024 dokumentierte die Landespolizei 195 Meldungen von häuslicher Gewalt. Die Dunkelziffer wird in Liechtenstein, ähnlich wie in umliegenden Ländern, als hoch eingeschätzt, denn die Gewalt ist schwer zu erkennen. Viele Betroffene haben Angst, Hilfe zu suchen, weil sie abhängig sind, sich schämen oder keine Unterstützung haben. Die Istanbul-Konvention, die seit 2021 in Liechtenstein in Kraft ist, verpflichtet den Staat zu Aufklärung, Schutz und Prävention. Sie ist ein wichtiges Instrument bei der Definition, Erkennung und Verfolgung der häuslichen Gewalt. Im Berichtsjahr verfolgte der VMR weiter das Ziel, die Behörden zur raschen Erarbeitung einer Gewaltschutzstrategie zu bewegen. In diesem Zusammenhang setzte sich der VMR für die Einrichtung eines stillen Notrufs für Gewaltopfer ein und beteiligte sich an der Vernehmlassung zur Revision des Polizeigesetzes. Eine der grossen Anpassungen darin betrifft die verpflichtende Tatpersonenberatung nach polizeilicher Intervention bei häuslicher Gewalt.
Seit Jahren setzt sich der VMR bei den Behörden dafür ein, dass Liechtenstein eine nationale Gleichstellungsstrategie erhält, welche die Grundlage für eine koordinierte Anstrengung aller Institutionen für mehr Gleichstellung bietet. Neben der Mitarbeit im Erstellungsprozess 2024 konnte der VMR im Berichtsjahr im Rahmen einer Vernehmlassung nun zum ersten Entwurf der Strategie Stellung nehmen. Er regte unter anderem an, dass das fehlende Thema «Gesundheit» aufgenommen wird und für die Umsetzung der Strategie entsprechende Ressourcen gesprochen werden sollten. Die noch nicht erarbeitete Gewaltschutzstrategie, wie auch der Umsetzungshorizont, wurden als unzureichend eingestuft.
Jährlich organisiert der VMR den Runden Tisch Gleichstellung, an dem Behörden und private Beratungsstellen über aktuelle und übergeordnete Gleichstellungsthemen diskutieren und ihre Aktivitäten aufeinander abstimmen. Im Berichtsjahr war zuerst geplant, die aktuelle Gleichstellungsstrategie vertieft zu analysieren. Die Veröffentlichung ist jedoch erst im Frühjahr 2026 geplant. So fokussierte sich der diesjährige Runde Tisch insbesondere auf die Vernetzung und die Jahresthemen der jeweiligen Organisationen.
Im Januar reichte der VMR einen Schattenbericht zur Frauenrechtskonvention bei der UNO in Genf ein. Gemeinsam mit 11 Organisationen berichtet der VMR von der aktuellen Situation für Frauen und Mädchen in Liechtenstein. Darin wird ausführlich beschrieben in welchen Lebensbereichen und Themen noch Aufholbedarf bezüglich der Rechte von Frauen vorhanden sind. Um die Themen in Liechtenstein bekannt zu machen, organisierte die Autorenschaft eine Pressekonferenz in Liechtenstein für die Vorstellung des Berichts.
Im November 2025 nahm der VMR als Podiumsgast an der Jubiläumsveranstaltung zu 30 Jahren Frauenrechtskonvention in Liechtenstein teil. Der VMR brachte aktuelle Forderungen und eine Situationsanalyse in der Diskussion ein.
Körperliches und seelisches Wohlbefinden können für queere Menschen eine grosse Herausforderung sein. Am 10. September nahm der VMR an einer Podiumsdiskussion zur psychischen Gesundheit der queeren Gemeinschaft in Liechtenstein teil. Ausgangslage für diese Veranstaltung war die vom Verein Flay durchgeführte Studie zur psychischen Gesundheit von Betroffenen in Liechtenstein. Sie zeigt die hohe Belastung für Betroffene deutlich auf und macht in vielen Lebensbereichen klaren Handlungsbedarf sichtbar.
