Flucht, Migration und Integration
Asylsuchende und Flüchtlinge haben ein Recht auf Unterkunft, ärztliche Versorgung und rechtliche Unterstützung. Menschen mit Migrationshintergrund oder Menschen unterschiedlicher Religionen müssen vor Gewalt, Diskriminierung und Ausbeutung geschützt werden. Sie sollen Möglichkeiten zur Teilhabe in Gesellschaft und Politik erhalten.
In Liechtenstein leben Menschen aus 124 Nationen. Ausländerinnen und Ausländer machen 35.2 Prozent der ständigen Bevölkerung aus (Stand 30. Juni 2025, Amt für Statistik). Sie können nicht wählen. Dabei ist die politische Teilhabe aller sehr wichtig für eine demokratische Gesellschaft. Im Rahmen des Projekts „Vielfalt in der Politik“ untersuchte der VMR im Berichtsjahr die Situation und veröffentlichte Empfehlungen zur besseren politischen Beteiligung von Ausländerinnen und Ausländern in Liechtenstein.
In der Betreuung von älteren Personen hat sich auch in Liechtenstein ein Modell etabliert, in welchem vorwiegend ausländische Frauen in den Haushalten der betagten Personen angestellt werden und diese dort rund um die Uhr betreuen. Zusammen mit Partnerorganisationen fordert der VMR schon seit Jahren eine rechtliche Grundlage für diese Arbeitsbedingungen, im mindesten aber einen Normalarbeitsvertrag zum Schutz der Betreuerinnen. Im Berichtsjahr lancierte der VMR eine Inserate-Kampagne und machte am internationalen Care Day mit einer Filmvernissage und einer Podiumsdiskussion öffentlich auf die Problematik aufmerksam.
Über 85 Prozent der liechtensteinischen Bevölkerung gehören einer Religionsgemeinschaft an. Als zunehmend multikulturelles Land sind in Liechtenstein neben der in der Verfassung verankerten katholischen Kirche über 10 Religionsgemeinschaften aktiv. Leider gibt es immer noch keine gesetzliche Grundlage für diese Religionsgemeinschaften, sodass sie sich als private Vereine organisieren müssen und keinen Anspruch auf öffentliche Anerkennung oder staatliche Förderung haben. Der VMR setzt sich seit seiner Gründung für die Gleichstellung aller Religionsgemeinschaften ein und führte auch 2025 im Rahmen eines Runden Tisches der Religionen einen interreligiösen Dialog durch.
Die Asylzahlen in Liechtenstein waren seit dem 2. Weltkrieg nie mehr so hoch wie in den letzten Jahren. Stand 31. Dezember 2025 hielten sich 871 Schutzsuchende aus der Ukraine in Liechtenstein auf. Viele davon sind Frauen und Kinder. Hinzu kommen reguläre Asylsuchende und vorläufig aufgenommene Personen. Entsprechend standen im September erneut die Herausforderungen für das liechtensteinische Asylwesen im Zentrum des Runden Tisches Asyl, der jedes Jahr vom VMR organisiert wird. Ein weiteres Thema war der geplante liechtensteinische Beitritt zum EU-Migrations- und Asylpakt, in dessem Rahmen der VMR zukünftig die Funktion eines unabhängigen Überwachungsmechanismus übernehmen soll.
Im November stellte das UNHCR-Büro für die Schweiz und Liechtenstein seinen Bericht über das Asylsystem Liechtensteins der breiten Öffentlichkeit vor. Der Bericht des UNHCR analysierte erstmals ganzheitlich das Liechtensteiner Asylsystem und stellte grösseren Handlungsbedarf fest. Der VMR unterstützte das UNHCR bei der Organisation der Veranstaltung und diskutierte auf dem Podium über die aktuelle Situation und Perspektiven des Flüchtlingsschutzes in Liechtenstein. Er wird sich im kommenden Jahr für die Umsetzung der UNHCR-Empfehlungen einsetzen.
