Ausblick
Am 10. Dezember 2026 wird der VMR 10 Jahre alt. Die globale Menschenrechtslage zeigt sich leider um einiges kritischer als bei seiner Gründung. Mit einer einjährigen, nationalen Sensibilisierungskampagne unter dem Titel «Nicht ohne Menschenrechte» wollen wir in Erinnerung rufen, wie fundamental die Menschenrechte für unsere Gesellschaft sind: Ob Wirtschaft und Wohlstand, Sicherheit und Rechtstaatlichkeit, Frieden und Demokratie oder nachhaltige Entwicklung – nichts geht ohne Menschenrechte!
Wie bereits in den letzten Jahren will der VMR ein stärkeres Gewicht auf die Rechtsberatung und den Zugang zum Recht legen. Er möchte seine kostenlose Rechtsberatung ausbauen, die Grundlagenarbeit zur strategischen Prozessführung in wirksame Rechtsprechung umsetzen und im Rahmen der kinderfreundlichen Justiz eine Rechtsberatung für Kinder und Jugendliche aufbauen. Längerfristig sollen Kinder und Jugendliche spezialisierte Kinderanwält:innen an ihrer Seite haben, die Ihre Anliegen vertreten und sie dabei unterstützen, ihre Rechte durchzusetzen.
Wenn der Landtag in seiner zweiten Lesung im Frühling 2026 den Beitritt zum Asyl- und Migrationspakt der EU beschliesst, wird der VMR ein weiteres gesetzliches Mandat erhalten. Er wird überprüfen, wie die staatlichen Behörden die Regeln des Asyl- und Migrationspakts einhalten und die Menschenrechte von Asylsuchenden und Personen ohne Identitäts- oder Aufenthaltspapiere respektiert. Mit dem ersten Bericht des UNHCR zur Flüchtlingssituation in Liechtenstein hat der VMR erstmals eine fundierte Grundlage zur Überwachung der Rechte von Flüchtlingen und Asylsuchenden im Land. Er wird sich dafür einsetzen, dass die zentralen Erkenntnisse aus dem Bericht umgesetzt werden.
Mit dem hochkarätig besetzten Fachausschuss Behinderung hat der VMR ab 2026 ein Expertengremium zur Seite, das ihn und die liechtensteinischen Behörden bei der Umsetzung der Verpflichtungen aus der UNO-Behindertenkonvention unterstützt. Zunächst soll es aber darum gehen, die betroffenen Menschen selbst partizipativ einzubinden und ihre Bedürfnisse abzuholen. Der erste offene Austausch mit Menschen mit Behinderungen wird im Herbst 2026 stattfinden.
Die Verabschiedung und breite Umsetzung der nationalen Gleichstellungsstrategie und der wirksame Schutz vor häuslicher Gewalt, wie er in der Instanbul-Konvention des Europarats verankert ist, sind die zentralen Anliegen des VMR im Bereich der Geschlechtergleichstellung. Hierfür stellt er den staatlichen Stellen seine Expertise bereit und unterstützt private und staatliche Stellen bei der Sensibilisierung, Datenerhebung und Umsetzung wichtiger Pilotprojekte, wie dem barrierefreien und stillen Notruf.
